Vollmacht und digitale Assets: Was Ihr Bevollmächtigter wirklich braucht
Eine Vorsorgevollmacht gibt jemandem rechtliche Handlungsfähigkeit — aber keinen Zugang zu Ihren Bitcoin-Wallets, iCloud oder Online-Konten. Was Sie jetzt noch regeln müssen.
Das Dokument, das Sie in Sicherheit wiegt
Sie haben eine Vorsorgevollmacht aufgesetzt. Vielleicht sogar notariell beglaubigt. Die richtige Person ist eingesetzt — ein Familienmitglied, ein enger Freund — mit umfassenden Befugnissen für Finanzen, Gesundheitsentscheidungen, Vermögensverwaltung.
Sie denken, Sie haben alles geregelt.
Wahrscheinlich nicht das, was am meisten zählt — Ihr digitales Leben.
Was eine Vollmacht kann — und was nicht
Das deutsche Vollmachtsystem ist gut durchdacht. Ohne eine Vorsorgevollmacht muss ein Gericht im Falle Ihrer Geschäftsunfähigkeit einen gesetzlichen Betreuer einsetzen — selbst wenn Sie verheiratet sind, selbst wenn Ihre Kinder erwachsen sind. Der Ehegatte hat keine automatische Vertretungsmacht. Das unterscheidet Deutschland von vielen anderen Ländern.
Mit einer Vollmacht erhält Ihr Bevollmächtigter rechtliche Handlungsmacht. Bei deutschen Bankkonten, bei Immobilien, bei Verträgen — das Vollmachtssystem funktioniert hervorragend.
Bei digitalen Vermögenswerten versagt es auf ganzer Linie.
Kryptowährungen sind nicht rechtlich registriert. Sie sind durch einen Private Key — eine kryptografische Schlüsselphrase — gesichert. Ihr Bevollmächtigter kann mit der perfektesten notariellen Vollmacht zur Bank gehen und Ihr Konto verwalten. Er kann mit derselben Vollmacht nicht auf Ihre Bitcoin zugreifen. Die Blockchain akzeptiert keine Rechtsdokumente. Ohne den Schlüssel sind die Coins unwiederbringlich verloren.
Online-Konten bei Google, Apple, Amazon und anderen amerikanischen Plattformen unterliegen US-amerikanischen Nutzungsbedingungen — nicht deutschem Recht. Ein beglaubigtes deutsches Rechtsdokument hat für einen Support-Mitarbeiter in Kalifornien keine verbindliche Bedeutung. Die meisten Plattformen werden die Vollmacht gar nicht erst anerkennen.
Digitale Unternehmen — ein Shopify-Shop, ein SaaS-Produkt, ein YouTube-Kanal mit aufgebautem Publikum — laufen auf Zugangsdaten, nicht auf Rechtsdokumenten. Ohne Login bricht das Unternehmen ein.
Das Erbrecht-Problem: Was nach dem Tod passiert
Die Vollmacht erlischt mit Ihrem Tod. Dann greift das Erbrecht nach dem BGB. Der Bundesgerichtshof hat 2018 (BGH III ZR 183/17) entschieden, dass digitale Konten grundsätzlich vererbbar sind — ein wichtiges Urteil, das die Rechtslage klargestellt hat.
Aber: Vererbbarkeit bedeutet nicht Zugänglichkeit.
Das Urteil gibt Ihren Erben das Recht auf das Konto. Es gibt ihnen nicht das Passwort. Es gibt ihnen nicht die Seed Phrase. Es gibt ihnen nicht die Zwei-Faktor-Authentifizierung, die auf Ihrem Telefon läuft.
Rechtliche Befugnis und praktischer Zugang sind zwei verschiedene Probleme. Das Vollmachts- und Testamentssystem löst das erste. Für das zweite brauchen Sie etwas anderes.
Der Nachlass, der schweigt
Stellen Sie sich vor: Sie werden Erbe. Ihr Vater hatte € 40.000 in Ethereum — das wussten Sie, er hatte es erwähnt. Aber Sie wissen nicht, wo. Nicht auf welcher Exchange. Nicht ob es eine Hardware-Wallet in einer Schublade gibt. Nicht die Seed Phrase.
Sie wenden sich an die Plattformen. Eine antwortet nicht. Eine verlangt Dokumente auf Englisch mit Apostille. Eine dritte informiert Sie, dass das Konto wegen Inaktivität gelöscht wurde.
Das Geld ist weg. Für immer.
Das ist kein Extremfall. Das ist Alltag für Erbrechtsanwälte in Deutschland.
Was Sie heute noch klären müssen
Das Vollmachts- und Testamentssystem braucht eine Ergänzung: einen digitalen Nachlassplan. Dieser Plan ist kein Rechtsdokument — er ist die praktische Brücke zwischen Ihren Willensverfügungen und dem tatsächlichen Zugang zu Ihren digitalen Vermögenswerten.
Erstellen Sie ein digitales Inventar. Alle Konten, Wallets und Dateien mit wirtschaftlichem oder sentimentalem Wert: Kryptobörsen und Wallets, Online-Depots, E-Mail-Konten, Social Media, Cloud-Speicher, Abonnements, Domains, digitale Unternehmensressourcen.
Bewahren Sie Zugangsdaten sicher und getrennt auf. Seed Phrases und Passwörter dürfen nie in einer Vollmacht oder einem Testament stehen. Diese Dokumente werden irgendwann zugänglich — einer Vollmacht muss man gesetzlich Einblick gewähren. Nutzen Sie stattdessen einen verschlüsselten Tresor.
Benennen Sie einen digitalen Nachlassverwalter. Das kann Ihr Bevollmächtigter sein, muss es aber nicht. Wählen Sie jemanden mit echtem technischen Verständnis — und geben Sie konkrete Handlungsanweisungen, nicht nur rechtliche Befugnisse.
Verknüpfen Sie die Dokumente. Ihre Vollmacht oder Ihr Testament kann auf den digitalen Nachlassplan verweisen: „Der Vollmachtgeber hat einen verschlüsselten digitalen Nachlassplan hinterlegt, auf den der benannte digitale Nachlassverwalter Zugriff hat." Das schafft die rechtliche Verknüpfung, ohne sensible Daten preiszugeben.
Die Lücke, die sich schließen lässt
Es gibt eine Version dieser Geschichte, in der Ihr Bevollmächtigter Ihre Bankkonten und Ihre Wohnung tadellos verwaltet — während Ihre Kryptowährungen eingefroren sind, Ihre Online-Firma innerhalb von Wochen zusammenbricht und Jahrzehnte von Familienfotos aus der Cloud verschwinden.
Diese Version ist vermeidbar. Aber nur wenn Sie jetzt handeln.
LegacyShield wurde für genau diese Lücke gebaut. Zero-Knowledge-Verschlüsselung bedeutet: Ihre Seed Phrases und Passwörter bleiben privat — auch für uns. Ihr designierter Vertreter bekommt genau das, was er braucht, zum richtigen Zeitpunkt. Ihre Vollmacht regelt das Recht. LegacyShield regelt den Zugang.
Ihre Vollmacht ist der Anfang des Plans. Nicht das Ende.
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