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·7 min Lesezeit·LegacyShield Team

Der Nachlass-Leitfaden: Digitale Konten nach einem Todesfall kündigen

Nach einem Sterbefall müssen Dutzende digitale Konten geschlossen werden — Bankkonten, Abonnements, soziale Medien, Behörden. Ein praktischer Zeitplan und Werkzeugkasten für Erben, mit länderspezifischen Schritten für Deutschland.

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Die Woche Nach der Beerdigung

Die Blumen verwelken noch. Die Trauerkarten liegen noch auf dem Tisch. Und irgendwo — in einem Stapel Papier, den noch niemand angerührt hat — wartet eine Liste mit Dingen, die erledigt werden müssen.

Bankkonten. Abonnements. E-Mail. Soziale Medien. Streaming. Versorgungsunternehmen. Rentenversicherung. Krankenkasse. Finanzamt. Standesamt. Die Liste ist länger als erwartet — und fast niemand warnt vorher davor.

Wenn jemand in Deutschland stirbt, pausiert sein digitales Leben nicht automatisch. Lastschriften laufen weiter. Abonnements verlängern sich automatisch. Konten bleiben offen und werden gelegentlich Ziel von Betrug. Der Erbe — oder wer auch immer diese Aufgabe übernimmt — muss Dutzende von Meldungen, Kündigungen und Umleitungen organisieren, meist noch mitten in der Trauer.

Dieser Leitfaden ist die Checkliste, die sich die meisten Erben im Nachhinein gewünscht hätten.

Warum Das So Lange Dauert — und Warum Es Wichtig Ist

Der durchschnittliche Erwachsene hat 2026 zwischen 80 und 150 Online-Konten. Die meisten sind kostenlose Dienste, an deren Anmeldung man sich kaum mehr erinnert. Aber in dieser Liste stecken Konten, die wirklich wichtig sind:

  • Bankkonten, auf die möglicherweise noch Zahlungen oder Lastschriften eingehen
  • Depots und Anlagekonten mit realem Vermögen
  • Renten- und Sozialversicherungskonten, die eine formelle Sterbemeldung erfordern
  • Versicherungspolicen mit offenen Ansprüchen oder Verlängerungsterminen
  • E-Mail-Konten mit Jahren von Korrespondenz, Steuerdokumenten und Passwörtern
  • Cloud-Speicher mit unwiederbringlichen Fotos und Dokumenten
  • Streaming-Dienste, die monatlich weiter abbuchen, bis sie gekündigt werden

Die DSGVO gewährt Erben das Recht auf Löschung — aber jede Plattform hat ihren eigenen Prozess. Die meisten verlangen eine beglaubigte Kopie der Sterbeurkunde und einen Nachweis Ihrer Befugnis zu handeln.

Ein Praktischer Zeitplan: Die Ersten 90 Tage

Tage 1–7: Sofortige Meldungen

Das sind die Konten, bei denen Untätigkeit finanzielle oder rechtliche Probleme verursacht.

  • Das Standesamt muss den Tod innerhalb weniger Werktage registrieren — die Sterbeurkunde wird dort ausgestellt und ist das Schlüsseldokument für alle weiteren Schritte.
  • Benachrichtigen Sie die Bank(en), um Konten zu sperren und unbefugte Transaktionen zu verhindern. Großbanken wie Deutsche Bank, Commerzbank und Sparkasse haben dedizierte Nachlassabteilungen.
  • Melden Sie das Ableben dem Rentenversicherungsträger — die Deutsche Rentenversicherung erstattet zu Unrecht weitergezahlte Renten zurück und muss zeitnah informiert werden.
  • Benachrichtigen Sie den Arbeitgeber, falls der Verstorbene noch erwerbstätig war.

Tage 8–30: Behörden und Finanzen

  • Finanzamt: für Erbschaft- und Schenkungsteuer. Eine formelle Meldung ist erforderlich; der Erwerb ist innerhalb von 3 Monaten anzuzeigen.
  • Krankenkasse: Mitgliedschaft kündigen oder auf den/die Hinterbliebene(n) umstellen.
  • Jobcenter / Bundesagentur für Arbeit: falls der Verstorbene Leistungen bezog.
  • Kündigen Sie Lastschriften von den Bankkonten, die wiederkehrende Kosten deckten.
  • Kündigen Sie Versicherungen, die nicht mehr benötigt werden.

Tage 31–90: Das Digitale Leben

  • E-Mail: entscheiden, ob Sie Inhalte herunterladen und sichern oder löschen lassen möchten. Google bietet einen "Kontoinaktivitäts-Manager" an, den Nutzer vorab einrichten können.
  • Soziale Medien: Facebook/Meta bietet Gedenkseiten oder Löschung an. Instagram, LinkedIn und X (Twitter) haben ähnliche Prozesse.
  • Streaming-Dienste: Netflix, Spotify, Apple Music, Amazon Prime — kündigen oder die Zahlungsmethode deaktivieren.
  • Cloud-Speicher: Google Fotos, iCloud, Dropbox — hier können unwiederbringliche Erinnerungen gespeichert sein.
  • Passwort-Manager: das ist der Schlüssel, der alles entsperrt; versuchen Sie frühzeitig Zugang zu erhalten.
  • Treuepunkte und Vielfliegermeilen: oft einlösbar durch Erben, sofern rechtzeitig gemeldet.

Der Erbschein: Ihr zentrales Dokument

In Deutschland ist der Erbschein das wichtigste Dokument für die Nachlassabwicklung. Er wird vom Nachlassgericht (in der Regel das zuständige Amtsgericht) ausgestellt und weist nach, wer Erbe ist und in welchem Umfang.

Ohne Erbschein werden Ihnen die meisten deutschen Banken, Versicherungen und Depotbanken keinen Zugang zu den Konten des Verstorbenen gewähren. Ausnahme: Wenn ein notarielles Testament oder ein Erbvertrag vorliegt, kann dieser zusammen mit dem Eröffnungsprotokoll des Nachlassgerichts ausreichen.

Die Beantragung des Erbscheins dauert — je nach Auslastung des Gerichts — zwei Wochen bis mehrere Monate. Planen Sie frühzeitig.

Wichtig: Das Nachlassgericht selbst eröffnet Testamente und Erbverträge, die bei ihm hinterlegt wurden. Wenn Sie nicht sicher sind, ob ein Testament existiert, können Sie beim Zentralen Testamentsregister der Bundesnotarkammer anfragen.

Das Passwortproblem

Das am häufigsten unterschätzte Problem bei der digitalen Nachlassabwicklung ist der Zugang.

Wenn Ihr Angehöriger keinen Passwort-Manager hatte oder keine sichere Liste seiner Konten hinterlassen hat, verbringen Sie die nächsten Wochen damit, Konto für Konto Wiederherstellungsanfragen zu stellen — mit nur einer Sterbeurkunde und viel Geduld. Jede Plattform hat ihr eigenes Verifizierungsverfahren. Manche reagieren schnell und klar. Viele nicht.

Besonders schwierige Konten für Erben:

  • Google: Kontozugang nach dem Tod erfordert einen formellen Antrag mit Dokumentation und wochenlangem Warten
  • Apple: Zugang zu einer Apple ID nach dem Tod erfordert in Deutschland in der Regel eine gerichtliche Anordnung — es gibt keinen Self-Service-Prozess
  • Facebook/Instagram: bietet Gedenkseiten und Löschung an, aber der Prozess erfordert das Ausfüllen von Formularen, die sich regelmäßig ändern
  • Deutsche Banken: verlangen den Erbschein und manchmal einen persönlichen Filialbesuch

Die Menschliche Seite

Es gibt noch etwas, das Checklisten nicht erwähnen.

Die Person, die all diese Prozesse durchlaufen muss, ist kein Buchhalter, der eine Firma abwickelt. Es ist jemand, der trauert. Der nachts nicht schläft. Der manchmal den Hörer auflegt, weil er es nicht schafft, wieder in einer Warteschleife zu sitzen.

Es hilft zu wissen, dass es keine feste Reihenfolge gibt, die perfekt eingehalten werden muss. Priorität haben die Konten, bei denen Untätigkeit finanziellen Schaden anrichtet. Der Rest kann warten, bis Sie bereit sind.

Und wenn Sie alle Telefonate, Briefe, Verifizierungsformulare und Wartezeiten hinter sich haben — werden Sie wahrscheinlich darüber nachdenken, wie Sie Ihren eigenen Angehörigen das ersparen können.

Beginnen Sie Ihren digitalen Nachlass bei LegacyShield — sichern Sie Ihre Kontoübersicht, wichtigen Dokumente und Zugangsdaten an einem sicheren Ort, damit die Menschen, die Sie zurücklassen, ein Werkzeug vorfinden — und keine Schatzsuche.

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